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Speech

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Informationsdienst der Bundesstadt Bonn

05.12.2000

Grußwort von Frau Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann
bei der Auftaktveranstaltung zum
"Internationalen Jahr der Freiwilligen"
am Dienstag, dem 5. Dezember 2000, um 10.30 Uhr
im Internationalen Kongresszentrum
Bundeshaus Bonn


· Herr Bundespräsident
· Frau Bundesministerin
· Frau Capeling-Alakija
· sehr geehrte Damen und Herren!


Die Stadt Bonn ist froh, dass die Vorbereitung und Koordinierung des Internatio-nalen Jahres der Freiwilligen durch das UN-Freiwilligenprogramm mit Sitz in Bonn durchgeführt wird.

Die Stadt Bonn freut sich, dass die nationale Auftaktveranstaltung zum Internatio-nalen Jahr der Freiwilligen hier im Internationalen Kongresszentrum Bundeshaus Bonn stattfindet und dankt Ihnen, Frau Bundesministerin Dr. Bergmann, sehr herz-lich dafür.

Heute wird von der Bundeshauptstadt Berlin aus deutsche Politik für unser Land gestaltet. Die Bundesstadt Bonn bildet als Zentrum für internationale Zusammen-arbeit eine Plattform für die Diskussion und den Dialog globaler Fragen unserer zukunftsfähigen Entwicklung.

Es geht dabei keineswegs nur um das Klima auf unserem Planeten, es geht auch um das Klima in unserer Gesellschaft. Von Bonn aus koordiniert das Freiwilligen-programm der Vereinten Nationen pro Jahr über 4.500 Freiwillige in aller Welt. Wie stünde es wohl um viele Projekte ohne den Einsatz dieser Freiwilligen?

Während der Vorbereitung auf den heutigen Tag habe ich mich auch oft gefragt: "Wie sähe Bonn wohl aus, wenn sich in dieser Stadt nicht Tag für Tag viele Bürge-rinnen und Bürger freiwillig, unentgeltlich, uneigennützig und eigenverantwortlich für das Gemeinwohl engagierten?"

Bonn wäre weniger menschlich, viel Miteinander, viel Verbindendes gäbe es nicht. Vielleicht wäre die Stadt sogar nicht funktionsfähig:

· Denken wir einmal an den Einsatz unserer freiwilligen Feuerwehrleute bei Brand und Hochwasser.
· Denken wir an unsere Schulpflegschaften, an unsere Verkehrslotsen.
· Denken wir an Chöre und Musikgruppen.
· Denken wir an unsere Karnevalsvereine.
· Denken wir an die Trainer in Sportvereinen, die manchen aktiven Sportler zum Erfolg geführt haben.
· Denken wir an die Jugendgruppierungen.
· Denken wir an die internationalen Gesellschaften.
· Denken wir an die vielen Selbsthilfegruppen.
· Denken wir an die Dritte-Welt-Gruppierungen.

Diese Aufzählung ließe sich beliebig fortsetzen.

Erlauben Sie mir nur noch ein Beispiel, das ich besonders erwähnen möchte: Die Unicef-Arbeitsgruppe Bonn, die uns beim Bonner Unicef-Städtepartnerschaftsjahr tatkräftig unterstützt hat, kann in diesen Tagen ihren 45. Geburtstag feiern. Herzli-chen Glückwunsch!

Diese Aufzählung macht deutlich, wie vielfältig freiwilliges Engagement ist. Wie groß diese Vielfalt ist, zeigt sich erst bei der eingehenden Beschäftigung mit dem Thema. Freiwilliges Engagement wirkt in allen Gebieten unseres gesellschaftli-chen Lebens und beschränkt sich nicht auf den sozialen Bereich.

Daher ist es besonders zu begrüßen, dass das "Internationale Jahr der Freiwilli-gen" wieder ins Blickfeld rückt, dass Ehrenamt, bürgerschaftliches Engagement und Selbsthilfe unverzichtbare Voraussetzungen für gelebte Demokratie und ein humanes Miteinander sind.

Durch Ihre Anwesenheit, sehr geehrter Herr Bundespräsident, und durch die Übernahme der Schirmherrschaft über das "Jahr der Freiwilligen" in Deutschland unterstreichen Sie die Bedeutung dieses Themas.

Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheinen mag, freiwilliges Engage-ment wirft viele Fragen auf. Auch diese sollen in diesem Jahr in den Gemeinden, in den Bundesländern, auf Bundesebene und weltweit näher in den Blick genom-men werden.

"Freiwilliges Engagement", das ist zunächst einmal ein positiver Begriff:
- "Freiwillig", das heißt, sich engagieren ohne Zwang und Verpflichtung, d.h. Ge-staltungsfreiräume wahrnehmen können.
- "Engagement" bedeutet, es ist innere Motivation da, es ist Gestaltungswille da.

Vielleicht ist dies häufig auch ein Gestaltungswille, der weniger auf den Dienst am Nächsten ausgerichtet ist, sondern manchmal auch nach Selbstverwirklichung strebt.

Ist es wirklich so, dass die Engagementbereitschaft unter einem Druck zur Indivi-dualisierung in unserer Gesellschaft nachgelassen haben soll? Müssen wir uns nicht vielmehr die Frage stellen - und darin sehe ich eine wichtige Bedeutung die-ses Internationalen Jahres -, wie freiwilliges Engagement mit der Sinnorientierung und dem Streben nach Selbstverwirklichung des zu Engagement bereiten Men-schen zusammengebracht werden kann?

Oft werden wir auch mit der Frage konfrontiert, ob freiwilliges Engagement nicht Arbeitsplätze wegnähme. Natürlich gibt es manchmal die Gefahr, dass Ehrenamt gegen berufliche Arbeit ausgespielt wird und als Sparvorwand missbraucht wird.

Freiwilliges Engagement kann jedoch nur eine sinnvolle Ergänzung zu hauptamtli-cher Arbeit sein. Freiwillige können etwas abdecken, was von Hauptamtlichen so nicht geleistet werden kann. Grüne Damen zum Beispiel können in Krankenhäu-sern ein intensiveres persönliches Verhältnis zu Patienten aufbauen, als dies pro-fessionellen Pflegekräften möglich sein kann.

Sicherlich, in der Praxis mag es nicht immer leicht sein, Stärken und Schwächen der ehrenamtlich und der hauptamtlich Beteiligten gegenseitig abzuklären. Die Lösung könnte in einem gewollten Miteinander liegen.

Ich denke, dass gerade das Internationale Jahr der Freiwilligen, das Freiwilli-geneinsatz weltweit beleuchten und fördern will, hier neue Impulse bringen kann.

Wir in Bonn wollen durch verschiedene Aktivitäten dazu beitragen und wünschen uns, dass wir am 5. Dezember 2001 sagen können:
- Mehr Menschen konnten weltweit für freiwilliges Engagement begeistert und gewonnen werden.
- Mehr Menschen nehmen den Wert freiwilligen Engagements wahr.
- Die Grundvoraussetzungen für freiwilliges Engagement hier vor Ort aber auch weltweit sind besser geworden.
und:
- Dieser Impuls für ein besseres Klima in unserer Gesellschaft ging von Bonn aus - dem Sitz des Freiwilligenprogramms der Vereinten Nationen.

 






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